Wandern im Peak District – Mam Tor

Mam Tor

Seit einigen Jahren zieht es mich beim Reisen nicht mehr in die großen Städte, sondern raus in die Natur. Am liebsten dahin, wo das Handy keinen Empfang hat und das nächste Geschäft nicht einmal zu sehen ist. Dorthin, wo man nur den Wind in den Bäumen rauschen hört, das Gras bis zu den Knien geht und die Landschaft unendlich weit vor einem liegt. Dafür muss man gar nicht weit weg fahren. In Europa gibt es viele wunderschöne Orte, an denen man völlig abschalten kann und einem vor Begeisterung der Atem beim Wandern in unberührter Natur weg bleibt. Solch einen Ort habe ich Anfang Juli in England besucht: den Peak District. In diesem Blogpost stelle ich euch mein erstes Highlight dieser Reise vor und erzähle euch, wieso der Peak District eine ganz besondere Rolle in  der Geschichte der englischen Nationalparks spielt. 

 

Der Peak District ist mit dem Flugzeug sehr gut über den Flughafen Manchester zu erreichen. Mit einem Mietauto ist man innerhalb von wenigen Minuten dem Stadtgewimmel entkommen und fährt auf sich schlängelnden Straßen von einem kleinen, hübschen Örtchen ins nächste. An unserem ersten Tag sind mein Freund und ich direkt auf den ersten Gipfel gestiegen und diese kleine Wanderung ist auch mein erstes Highlight. 

 

Wandern Mam Tor

Der Aufstieg

Eine gute Stunde nach unserer Ankunft in England machen mein Freund und ich die erste Pause. Wir waren nicht mehr weit von unserem Zielort, Dronfield, entfernt und wollten die unglaubliche Weite der Umgebung etwas näher genießen. Auf einem Parkplatz halten wir an, eigentlich nur, um uns kurz die Beine zu vertreten und die ersten Eindrücke zu sammeln. Was wir dann jedoch sehen dürfen, stellt einen einzigartigen Start in eine Woche voller Erlebnisse dar und wird uns jeden Tag aufs Neue begeistern: unendliches Weide- und Moorland gepaart mit Bergen, Steinformationen und diesen tollen kleinen Steinmauern, die früher das Grundstück der Bauern markiert haben. Wir drehen uns um und vor uns erhebt sich Mam Tor. Ein 517 hoher Berg in der Nähe von Castelton. Die Sonne strahlt, wir haben Lust noch mehr vom Peak District zu sehen und darum beschließen wir, die erste Wanderung des Urlaubs direkt hier und jetzt in Angriff zu nehmen. Der Aufstieg ist kurz, aber als ich oben angekommen bin, ist mir warm und mein Gesicht glüht. Die Aussicht ist grandios. Vor uns liegt ein wunderschönes Fleckchen Erde. Man sieht noch weiter und schaut in die begeisterten Gesichter der anderen Wanderer, die aus verschiedenen Richtungen ebenfalls den Gipfel erreicht haben. Wir nehmen uns genügend Zeit, um den Ausblick in alle Richtungen zu genießen und diese erste, kurze halbe Stunde wandern und die Natur bestaunen fühlen sich jetzt schon wie eine Woche Urlaub an. Die anderen Wanderer kommen aus zwei anderen Richtungen und laufen vermutlich einen der vielen Wanderwege lang. Das Wanderweg-Netz im Peak District ist wirklich weltklasse. Doch dafür mussten die Engländer hart kämpfen. Im Jahre 1931 kam es zu Protesten, da der Peak District größtenteils Privatland war und die Inhaber keine Wanderer und Naturliebhaber auf ihrem Grundstück haben wollten. Über 400 Menschen kamen zusammen und überstiegen das berühmte Moorplateau KinderScout. Illegaler Weise. Dies brachte, zum Glück, tatsächlich eine Änderung der Gesetze und seit 1951 ist der Peak District der erste Nationalpark Englands!  Mittlerweile gibt es natürlich viele weitere Nationalparks, u.a. den bekannten Lake District, Northumberland und Snowdonia, aber der Peak District wird wohl immer eine besondere Stellung im Herzen der Engländer haben. Und zu Recht!!                      

 

Wanderweg                                                                                                                     

Wandern tut der Seele gut

Über den Gipfel von Mam Tor erstreckt sich ein gepflasterter Wanderweg und wir entscheiden, noch etwas weiter zu wandern. Wir sind auf die Wanderung eigentlich nicht vorbereitet gewesen und haben uns vom Moment mitnehmen lassen. Da wir kaum noch Wasser haben und die Sonne ganz schön brennt, beschließen wir durch die Felder und Wiesen wieder zum Parkplatz zu gehen. Dabei mache ich die ersten tollen Fotos und es ist einfach ein Erlebnis, dieses Gefühl der Wandergemeinschaft zu fühlen: Alle lächeln sich an, sagen Hallo und ich fühle mich direkt als wäre ich ebenfalls eine erfahrene Wanderin, die am Wochenende einen Abstecher in die Hügel macht. Der Weg zurück zum Auto führt uns durch Wiesen und beinhohen Farn. Manche Wege sind durch die kleinen Flüsse, die hier überall fließen,   matschig, aber es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man diese kleinen Hindernisse überwunden hat und wieder einen Schritt weiter kommt. Generell finde ich ja, dass Wandern die perfekte Möglichkeit ist, mit sich selbst inst Reine zu kommen. Die letzten Jahre bin ich oft unzufrieden mit mir und mit meinem Körper gewesen, aber wenn ich oben auf einem Gipfel stehe und sehe, was ich alles geschafft habe und schaffen kann, bin ich einfach nur glücklich. Und so falle ich strahlend und leicht erschöpft auf den Beifahrersitz und kann gar nicht glauben, dass wir noch eine ganze Woche in dieser wunderschönen Gegend verbringen dürfen und bin gespannt, was die nächsten Tage noch bringen. Eins steht aber jetzt schon fest: England, du bist einzigartig schön!